WENN ICH ÜBE……..

WP_20131112_002Wenn ich heute ein Musikstück oder Musikwerk am Klavier in den Noten betrachte, um es alsbald neu zu erlernen, dann gehe ich folgenderweise vor:

Über den geschriebenen Notentext erfahre ich von der Beschaffenheit der ´Erde´, auf dem dieses Werk gewachsen ist.

Danach erst ist das Werk im Ganzen, so wie im Einzelnen zu betrachten, kennenzulernen und letztendlich einzustudieren. Während dieser Lernphasen vollziehen sich unterschiedlichste Inspirationsmomente, welche wiederum Fragen aufwerfen, die es notwendigerweise zu beantworten gilt. Manch zuerst nur vage vermutete Idee hat mir schon oft ungeheure und überraschende Erkenntnisse beschert. Diese betreffen in erster Linie die Musik selbst und sogleich auch ihre praktische, pianistische Umsetzung. Wie ist dies vom Komponisten gedacht, wie ist das vom ihm gedacht? Worin besteht die Grundidee und wie sollte deren Ausführung am Klavier geschehen?

 

WP_20131112_002Meistens erkenne ich dabei ziemlich schnell einige Zusammenhänge, im Großen wie im Allerkleinsten. Nach dieser ersten Begegnung, deren Eindrücke mich dann auch die nächste Zeit weiterhin beschäftigen, gerate ich nach einigen Tagen zu einem ersten bodenständigen Ergebnis. Meine musikalische Begeisterung wächst dabei von Tag zu Tag, eine innere Freude wächst in einem manchmal so, als wollte ich das innerlich Geschaute und Gehörte sogleich in die Welt hinausrufen. Es ist wie ein Geschenk. Ich möchte es liebevoll teilen mit anderen Menschen und Musikern. Mir ist dies Alles eine Art heilige Arbeit geworden, in der die musikalische Texttreue eine Verschmelzung sucht mit dem Instrument Klavier, um dann in mir sich zu vollenden..

Hier entdecke ich immer wieder von Neuem die lebendige Schnittstelle dreier Seelen, die aktiv am Werke sind :  MUSIK – KLAVIER – BEWUSSTSEIN . Musikalische Schöpfung – Seele des Instrumentes  – 

Bewusstheit (Wissen) sowie Durchlässigkeit des Spielers.

Es ist wie ein Weg, den ich hin und zurück zu beschreiten habe.

 

WP_20131112_002Nun erst steht das stabile Gerüst, auf dem ich mich weiterbewege, hier gebe ich mehr, dort wieder etwas weniger in Entsprechung zum inneren Wandel des musikalischen Flusses. Neue Erkenntnisse, neue Zusammenhänge fügen sich hinzu, das Werk wächst in Einem, spieltechnische Einzelheiten gewinnen an Bedeutung und immer mehr an Klarheit und Freiheit. Erkenne ich eine sinnhafte Regel hinter alledem, so darf sie auch einmal bewusst gebrochen werden. Mein erworbenes Wissen um eine klanglich natürliche Behandlungsweise    (the use) des Klaviers versetzt mich förmlich in helle Bereitschaft und Ver(Be-)sessenheit diesen, meinen Weg entschieden fortzusetzen. All das hier Beschriebene bezieht sich auf das Wachsen und Gedeihen eines Werkes, insofern ein Pianist bereit war, den Weg vom fertigen Werk zurückzugehen zu seiner ursprünglichen Quelle, improvisative Quelle, der nackten musikalischen Themengestalt,  der ersten ´Idee´ des Komponisten, wenn Sie so wollen. Nun kann es wachsen, die ´Erde´ ist bereitet, eine wahrlich gute und frische Erde.

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 WP_20131112_002Das Werk ist nun im Fluß, spielbereit, im Wachstum. Einige, oft nicht wenige, musikalische und spieltechnische Korrekturen des Fingersatzes tragen für mich überraschenderweise immer wieder zu einer ganzheitlichen Vervollkommnung in der dynamischen Tongebung, Phrasierung und Artikulation des Textes sowie der musikalischen Uridee wesentlich bei. Spielerische Leichtigkeit und Einfachheit, ja Schlichtheit und Natürlichkeit sind die Eigenschaften künstlerischer Meisterschaft am Klavier.  Geist, Körper und Seele – unentbehrliche Berater aller Wie-Fragen. Hören, hören, hören. Balance, Ausgeglichenheit – wie fühlt es sich an? Empfindungsqualität ist gefragt, Klangvorstellung, ATMUNG, …. pianistisch gebräuchliche Direktiven wie “Aktivity in a non doing way” sind für mich der Schlüssel, um tiefere Dimensionen der Durchdringung und Aneignung des Werkes zu erlangen. 

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Ein Gedanke zu “WENN ICH ÜBE……..

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