Wo Wissen und Bewusstsein fehlen

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Die Selbstbewusstheit und Selbstwahrnehmung eines Pianisten hängt nicht nur von seiner Individualität ab, sondern werden nicht minder stark geprägt von den, ihn umgebenden, musikalisch-methodischen Einflüssen und Strömungen seiner Zeit.  Sei es in der Ausbildungszeit oder in der darauffolgenden beruflichen Praxis, er orientiert sich an seinen Lehrern und Vorbildern und deren Leitsätzen.  Wie transparent das bereits erlernte und das noch zu lernende Wissen im persönlichen Spielstil durchlässig zu Vorschein kommt, ist und bleibt jedoch eine Frage der natürlichen Klavierspieltechnik.  Diese, leider oft mühsam durch Umwege erworbene Technik spiegelt unmittelbar alles wieder, was ein Spieler im Laufe seines Lebens bewusstseinsmäßig zu begreifen im Stande ist, bzw. noch nicht im Stande ist.   Jeder Musiker und jeder Musikpädagoge hat als künstlerischer oder pädagogischer Multiplikator die Verpflichtung nicht nur seinen Schülern gegenüber, auch vor allem sich selbst gegenüber seiner eigenen „Herkunft“ aufrichtig wie auch kritisch gegenüberzustehen.  Sehr häufig entziehen sich Klavierstudenten dem Einfluß des aktuellen Lehrers durch einen möglichen Lehrerwechsel zu einem methodisch kompetenteren Klavierpädagogen, Professor oder Dozenten. Doch auch hier stellt sich einem das selbe Problem, die Frage nach der fachlichen „Herkunft“ des neuen Lehrers. Aus welcher Schule des Klavierspiels stammt einer ab, wie sah der Entwicklungsweg meines Lehrers aus? Woraus zieht und zog er sein Wissen?   Gehört einer mehr der Schule der „Anspannung“ (´Greifen und Begreifen´- Hirzel-Langenhahn/Leschititzky) an oder zählt einer sich mehr zur Schule der „Entspannung“, Eutonie und Körperdynamik (Caland, Ziegler)?

Hier an diesem Punkt schieden sich in den letzten Jahrhunderten, auch heute noch,  immer die Geister.  Diejenigen, welche in ihrer ausübenden Spielpraxis dem Geist und der Klangvorstellung den Vorzug gaben gegenüber denjenigen, die Bewegungsanalysen zum Ausgangspunkt ihrer Pädagogik und Methodik machten.  Die fachliche, eigentlich notwendige Auseinadersetzung kam an Musikhochschulen längst zum Erliegen, es entstand ein regelrechter „Brei“ an Lehre.  Die Methodikseminare von Klavierstudenten werden und wurden meist geleitet von der Bewegungslehre überzeugten Hochschuldozenten, welche im wahrsten Sinne des Wortes ahnungslos waren und sind über die reale Existenz von Grundlagen einer natürlichen Klavierspieltechnik. Da unsere modernen Zeiten es nicht zulassen, dass Musikhochschullehrer und Musikstudenten sich nicht nur um das Wahre in der Musik begeistert zeigen, sondern ebenso auf deren Grundlagen sich besinnen, können wahre Künstlerschaft am Klavier nur sehr beeinträchtigt gedeihen und wachsen.   Auf der anderen Seite gab es und gibt es glücklicherweise noch jene Pädagogen, welche dieses Dilemma, in welche Musikstudenten gestoßen werden, zeitlebens anmahnen, sei es durch das Buchwerk „Klavierspiel und Körperbewusstsein“ http://www.wissner.com/pdfs/9783896398178.pdf  sowie „Die Wiederentdeckung der Einfachheit“ der alles überragenden Professorin Elgin Roth. Auch in der Klaviermethodik des „Inneren Hörens“ von Beata Ziegler oder der Bücher von Elisabeth Caland über Deppe findet man zu den wahren Kraftquellen eines natürlichen Klavierspiels. Das lernen Sie nicht an einer Musikhochschule, an fast keiner auf dieser Welt.

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